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| Frage- bogen: |
Skala: | Mittelwert prä: |
Mittelwert post: |
| FPI | Lebens- zufriedenheit |
3,62 | 3,73 |
| soziale Orientierung ** |
5,12 | 6,19 | |
| Leistungs- orientierung |
5,58 | 5,31 | |
| Gehemmtheit * | 6,62 | 5,81 | |
| Erregbarkeit * | 7,12 | 6,08 | |
| Aggressivität ** | 6,62 | 5,42 | |
| Beanspruchung | 6,46 | 6,27 | |
| Körperliche Beschwerden |
6,81 | 6,42 | |
| Gesundheits- sorgen |
5,15 | 5,35 | |
| Offenheit | 6,31 | 6,00 | |
| Extraversion | 4,85 | 4,97 | |
| Emotionalität | 7,65 | 7,04 | |
| FAF * | spontane Aggressivität |
5,81 | 5,23 |
| reaktive Aggressivität ** |
6,58 | 4,58 | |
| Erregbarkeit | 7,46 | 6,85 | |
| Selbstaggression | 7,58 | 7,50 | |
| Aggressions- hemmung |
4,31 | 5,12 | |
| Offenheit | 5,81 | 5,65 | |
| Summe Aggressivität * |
6,81 | 5,58 | |
| STAXI | Trait-Anger ** | 8,26 | 6,78 |
| Anger-In | 6,95 | 6,22 | |
| Anger-Out ** | 8,05 | 7,00 | |
| Anger- Control ** |
2,79 | 4,56 | |
Prä- und post-Werte beim FPI-R
Im folgenden werden nur die signifikanten Veränderungen beschrieben und interpretiert. Die angegebenen Mittelwerte berechnen sich aus Stanine-Werten, die einen Vergleich des individuellen Testergebnisses mit einer Normstichprobe ermöglichen. Werte von 4, 5 und 6 gelten als unauffällig, Werte von 1 bis 3 und 7 bis 9 stellen extreme Abweichungen dar, die interpretiert werden.
Für das Freiburger Persönlichkeitsinventar ergab sich folgendes Bild (Abbildung 1):
Die soziale Orientierung (SOZ)
Die soziale Orientierung (SOZ) ist nach Beendigung der Maßnahme gestiegen. Dies deutet auf eine höhere Bereitschaft hin, sich für andere Menschen einzusetzen, hilfsbereit zu sein und nicht die eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen. Gesunken ist die Gehemmtheit (GEH). Die Probanden scheinen ungezwungener und kontaktfreudiger im sozialen Umgang zu sein. Hohe Werte deuten z.B. auf eine Scheu einen Raum zu betreten, in dem sich schon andere aufhalten. Man hält sich eher im Hintergrund und tritt ungern vor einer Gruppe auf. Die Probanden sind leicht verlegen, erröten schnell und sind mißtrauisch oder ängstlich anderen gegenüber, was sich auch im zögerlichen Schließen von Freundschaften zeigt. Dieses Bild paßt zunächst gar nicht zu den durchsetzungsstarken Jugendlichen, zeigt aber ihre Schwachpunkte und Ängste (siehe auch die hohen Werte bei der Emotionalität: prä = 7,65, post = 7,04 ), die sie mit Gewalt zu verdecken versuchen. Die nächsten beiden Skalen thematisieren die Aggressionsbereitschaft der Jugendlichen. Auch hier konnte eine Verringerung erzielt werden. Die hohen Werte der Erregbarkeit (ERR) (Mittelwert = 7,12) konnten auf ein unauffälliges Niveau (Mittelwert = 6,08) gesenkt werden. Die Teilnehmer scheinen nicht mehr so leicht reizbar zu sein, und aus der Ruhe zu bringen. Auf Provokationen reagieren sie gelassener als noch zu Beginn des Anti-Gewalt-Trainings. Bei der Aggressivität (AGGR) konnte ebenso ein Rückgang verzeichnet werden. Die eigenen Rechte werden nicht mehr unmittelbar mit körperlicher Gewalt durchgesetzt, der Konfrontation können sie sich auf andere Art und Weise entziehen.
Prä- und post-Werte beim FAF
Beim Fragebogen zur Erfassung von Aggressivitätsfaktoren konnten folgende signifikanten Veränderungen festgestellt werden (Abbildung 2):
In allen drei Skalen haben sich die Mittelwerte reduziert. Dies deutet darauf hin, daß das Anti-Gewalt-Training die Gewaltbereitschaft der Teilnehmer reduzieren konnte. Der Faktor Summe Aggressivität spiegelt diesen Sachverhalt wider. Er ist eine Zusammenfassung der Skalen Erregbarkeit, spontane- und reaktive Aggressivität, und repräsentiert die nach außen gerichtete Aggressionsbereitschaft. Der Anfangsmittelwert von 6,81 konnte auf 5,58 zum Zeitpunkt der zweiten Messung gesenkt werden.
In der Skala Aggressionshemmung sind die Werte nach Beendigung des Trainings angestiegen, d.h. die Hemmung Aggressionen einzusetzen konnte hypothesenkonform aufgebaut werden. Diese Veränderung deutet auf einen Trend in die gewünschte Richtung hin, wurde aber nicht signifikant.
Prä- und post-Werte beim STAXI
Die Ergebnisse zum State-Trait-Ärgerausdrucksinventar (STAXI) sind in Abbildung 3 dargestellt:
Auch diese Ergebnisse passen in das auf Seite 7 beschriebene Bild.
Der Faktor Trait-Anger dient der Erfassung der individuellen Disposition, in einer provozierenden Situation mit Ärger zu reagieren. Der sehr hohe Ausgangswert (Mittelwert = 8,26) konnte auf 6,78 gesenkt werden. Das Gleiche zeigt sich auch bei der Variable Anger-Out. Hier wird das Ausmaß erfaßt, mit der die Testperson ihren Ärger gegen andere Personen oder Objekte in der Umgebung richtet. Es gilt allerdings zu beachten, daß der post-Wert immer noch sehr hoch ist (Mittelwert = 7,00). Die Skala Anger-Control weist nach Beendigung des sozialen Trainings eine Erhöhung auf. Die Teilnehmer versuchen demnach häufiger Ärger, zu kontrollieren bzw. nicht aufkommen zu lassen. Mit einem Mittelwert von 4,56 liegt das Ergebnis im unauffälligen Bereich der Normstichprobe.
Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß die Ergebnisse zur Stützung der Hypothese beigetragen haben: Nach Absolvierung des Anti-Gewalt-Trainings ist die Bereitschaft der Teilnehmer, sich aggressiv durchzusetzen, signifikant gesunken. Gleichzeitig sind sie auch eher in der Lage, ihren Ärger zu kontrollieren und anders damit umzugehen.
In wie weit die Testergebnisse im Bezug auf eine soziale Erwartungshaltung beeinflußt wurden, d.h. das die Teilnehmer die Fragenbögen so ausfüllen das sie gute Ergebnisse aufzeigen und das Training damit bei Ihnen erfolgreich war, ist natürlich bei dieser Form der Evaulierung nicht genau zu klären.
Nachtrag zu Auswertung
Wegen dem Oben genanntem Problem ( Soziale Erwartungshaltung ) werden
die Testergebnisse mit den Teilnehmern besprochen. Für die Klienten bedeutet dies eine Bestätigung ihrer subjektiven Einschätzung bzw. der Rückmeldungen aus ihrem persönlichen Umfeld, ihre gesunkene Aggressionsbereitschaft betreffend.
Neben diesen meßbaren Ergebnissen läßt sich im Verlauf der Kurse beobachten, daß bei den zunächst meist nur bedingt motivierten Klienten ein Ehrgeiz entsteht, sich und den anderen zu beweisen, daß sie fähig und bereit sind sich zum einen zu kontrollieren, d.h. bei Provokation nicht zuzuschlagen, sowie sich den harten Anforderungen des Trainings zu stellen und dieses durchzustehen.
Die erfolgreiche Teilnahme trägt zum Selbstbewußtsein der Klienten bei und wird, neben einer formellen Bescheinigung bestätigt durch das Überreichen eines „Coolmaster-Diploms“ und eines T-Shirts mit entsprechendem Aufdruck, das von den AGT-Absolventen z.T. demonstrativ getragen wird.
Bei den AGT-Absolventen ist bisher nur ein Rückfall bekannt geworden( Zeitraum 3 Jahre). Die Tat wurde allerdings mit deutlich geringerer Brutalität ausgeführt, als vor der Teilnahme des Täters am AGT. Entsprechende Informationen erhalten wir im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit Bewährungshilfe, Staatsanwaltschaft und Gerichten.
Literatur:
Weidner J. (1993). Anti-Aggressivitäts- Training für Gewalttäter, 2 unveränderte Auflage, Bonn
Brickenkamp, R. (Hrsg.) (1997). Handbuch psychologischer und pädagogischer Tests. Göttingen, Bern, Toronto, Seattle: Hogrefe.
Fahrenberg, J., Hampel, R. & Selg, H. (1994). Das Freiburger Persönlichkeitsinventar FPI. Reviderte Fassung FPI-R und teilweise geänderte Fassung FPI-A1. Handanweisung 6., ergänzte Auflage. Göttingen: Hogrefe.
Hampel. R. & Selg, H. (1975). Fragebogen zur Erfassung von Aggressivitätsfaktoren FAF. Göttingen: Hogrefe.
Schwenkenberger, P., Hodapp, V. & Spielberger, C.D. (1992). State-Trait-Ärger-aus-drucksinventar STAXI. Bern: Huber.
Westhoff, G. (1993). Handbuch psychosozialer Meßinstrumente. Ein Kompendium für epidemiologische und klinische Forschung zu chronischer Krankheit. Göttingen: Hogrefe.




