Umgang mit gewaltbereiten Jugendlichen
- Situation
- Das Thema dieses Beitrags, geübt an Fällen aus Ihrer Einrichtung statt aus dem Lehrbuch.
Jugendliche prüfen, ob Erwachsene ihre Grenzen halten. Wer einmal zurückweicht, muss danach härter durchgreifen. Wie beides zu vermeiden ist.
„Und was machst du, wenn ich nicht gehe?" Diesen Satz hat jeder gehört, der mit Jugendlichen arbeitet. Er ist keine Frage. Er ist ein Test, und er ist präzise gestellt: Er zielt genau auf den Punkt, an dem die meisten Erwachsenen unsicher werden.
Die schlechteste Antwort ist eine Drohung, die nicht gedeckt ist. Die zweitschlechteste ist Nachgeben. Beides führt zum selben Ergebnis, nur auf unterschiedlichem Weg: Die Grenze ist als verhandelbar erkannt, und der nächste Test kommt schneller und härter.
Eine Grenze, die im Moment der Auseinandersetzung erfunden wird, ist keine Grenze, sondern eine Reaktion. Jugendliche unterscheiden das zuverlässig. Sie merken, ob eine Regel gilt oder ob sie gerade entsteht, weil jemand die Geduld verloren hat.
Deshalb ist die Vorarbeit entscheidend. Was gilt in dieser Gruppe? Was passiert, wenn es nicht eingehalten wird? Wer entscheidet darüber? Wenn Sie diese drei Fragen im Team unterschiedlich beantworten, gibt es keine Grenze, sondern mehrere Meinungen, und Jugendliche finden heraus, welche gerade Dienst hat.
Die häufigste Sorge in Fortbildungen lautet: Wenn ich hart konfrontiere, zerstöre ich die Beziehung. Die Erfahrung spricht dagegen. Was Beziehungen zerstört, ist Beliebigkeit. Wer gestern etwas durchgehen ließ und es heute ahndet, ist nicht freundlich, sondern unberechenbar.
Konfrontative Pädagogik meint nicht Härte um der Härte willen. Sie meint, ein Verhalten klar zu benennen und es der Person nicht zu ersparen, ohne die Person selbst abzuwerten. Der Unterschied liegt im Satzbau: „Was du gerade gemacht hast, war eine Bedrohung" ist etwas anderes als „Du bist ein Schläger".
„Ich sage dir jetzt, was passiert." Ankündigen statt drohen. Eine angekündigte Folge ist kein Machtkampf, sondern eine Information.
„Das entscheide nicht ich allein." Nimmt die persönliche Zuspitzung heraus. Der Konflikt richtet sich nicht mehr gegen Sie als Person.
„Wir reden darüber, aber nicht so." Hält die Tür offen und die Grenze fest. Beides gleichzeitig ist das Ziel.
Das passiert. Der Fehler ist nicht das Nachgeben, sondern das Schweigen darüber. Wer am nächsten Tag sagt: „Gestern habe ich etwas durchgehen lassen, das nicht in Ordnung war. Ab jetzt gilt es wieder", stellt die Grenze wieder her und zeigt nebenbei, wie man mit eigenen Fehlern umgeht.
Das ist mehr wert als jede Regel an der Wand.
Vertiefung
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