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Krankheitsbedingt oder Grenzüberschreitung? Die Unterscheidung, die Pflege entlastet

In der Pflege gilt vieles als Teil des Krankheitsbildes, was keines ist. Die Folge sind Mitarbeitende, die alles hinnehmen.

„Der kann nichts dafür." Dieser Satz ist in der Pflege oft richtig und wird trotzdem zu häufig gesagt. Er beendet Gespräche, die geführt werden müssten, und er lässt Mitarbeitende mit Erfahrungen allein, die sie belasten.

Zwei Dinge, die auseinandergehalten gehören

Ob eine Person für ihr Verhalten verantwortlich ist, ist eine Frage. Ob das Verhalten für die betroffene Pflegekraft belastend war, ist eine andere. Die Antwort auf die erste Frage ändert an der zweiten nichts.

Wer von einem Menschen mit fortgeschrittener Demenz geschlagen wird, ist danach genauso getroffen wie jemand, der von einem Angehörigen geschlagen wird. Der Umgang mit der Ursache unterscheidet sich, der Umgang mit der betroffenen Person nicht.

In der Praxis wird das vermischt. Weil die Ursache im Krankheitsbild liegt, wird auch die Belastung als etwas behandelt, das dazugehört. Das ist der Kurzschluss, und er kostet Personal.

Woran sich unterscheiden lässt

Es gibt Anhaltspunkte, die im Alltag tragen:

Zielgerichtet oder ungerichtet? Ein Schlag beim Umlagern trifft, wer gerade dort steht. Eine Beleidigung, die auf eine bestimmte Person zielt und deren wunden Punkt trifft, ist etwas anderes.

Situationsabhängig oder durchgängig? Verhalten, das nur bei bestimmten Personen auftritt, nur in bestimmten Situationen, nur wenn niemand zusieht, spricht gegen eine rein krankheitsbedingte Ursache.

Mit oder ohne Kalkül? Wer sein Verhalten ändert, sobald die Leitung den Raum betritt, hat eine Steuerung, die im Moment davor auch vorhanden war.

Diese Anhaltspunkte ersetzen keine Diagnose. Sie helfen dem Team, eine Situation einzuordnen, statt sie pauschal abzulegen.

Was in beiden Fällen gilt

Unabhängig von der Ursache braucht es dieselben drei Dinge: eine Erfassung, ein Gespräch am selben Tag und eine Entscheidung darüber, ob sich an der Pflegesituation etwas ändern muss. Zwei Personen statt einer. Eine andere Tageszeit. Eine andere Zuständigkeit.

Diese Maßnahmen sind nicht gegen die betreute Person gerichtet. Sie schützen beide Seiten, und sie sind fachlich begründbar.

Der Satz, der es besser trifft

Statt „Der kann nichts dafür" hilft: „Er kann nichts dafür, und trotzdem war das für dich belastend. Reden wir darüber, was wir ändern können."

Der erste Halbsatz bleibt richtig. Der zweite macht den Unterschied.

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Gesundheit und Pflege

Situation
Das Thema dieses Beitrags, geübt an Fällen aus Ihrer Einrichtung statt aus dem Lehrbuch.
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