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Kultursensibel heißt nicht nachsichtig

Zwei Fehler prägen die Debatte: Alles auf Herkunft zurückzuführen, oder Herkunft gar nicht zu benennen. Beide führen in dieselbe Sackgasse.

In Fortbildungen begegnen mir zwei Haltungen, die sich für Gegensätze halten und im Ergebnis dasselbe bewirken.

Die eine erklärt Verhalten mit Herkunft. Der reagiert so, weil er aus einer Kultur kommt, in der das üblich ist. Die andere vermeidet jeden Bezug auf Herkunft, aus Sorge, damit etwas Unzulässiges zu tun.

Beide Haltungen führen dazu, dass nicht mehr über die konkrete Person gesprochen wird, sondern über eine Kategorie oder über gar nichts.

Was tatsächlich eine Rolle spielt

Nicht Kultur im Sinne von Nationalität. Was in Konflikten wirkt, sind konkrete Dinge, die mit Herkunft zusammenhängen können, aber nicht müssen:

Wie über Konflikte gesprochen wird. In manchen Zusammenhängen gilt es als Schwäche, ein Problem direkt anzusprechen. Ein Gespräch unter vier Augen wirkt dann bedrohlicher als eine Klärung in der Gruppe. In anderen ist es genau umgekehrt.

Wer sprechen darf. Wenn ein Jugendlicher nicht mit einer Sozialarbeiterin verhandelt, sondern nach dem Chef fragt, ist das eine Ansage über Zuständigkeiten, nicht unbedingt über Geschlecht.

Was als Beleidigung gilt. Der Punkt, an dem Ehre berührt ist, liegt unterschiedlich. Wer ihn nicht kennt, tritt hinein, ohne es zu bemerken.

Was Erfahrung mit Behörden bedeutet. Wer Amtsgewalt als willkürlich erlebt hat, reagiert auf einen Bescheid anders. Das hat mit Herkunft zu tun und nichts mit Kultur.

Der entscheidende Unterschied

Verstehen heißt nicht dulden. Wer weiß, warum jemand so reagiert, kann anders darauf eingehen und die Grenze trotzdem halten. Beides gleichzeitig ist die eigentliche Kompetenz.

Nachsicht aus Rücksicht ist keine Kultursensibilität, sondern ihr Gegenteil. Sie behandelt Menschen als weniger verantwortlich für ihr Handeln, und das merken sie.

Was im Alltag hilft

Fragen statt annehmen. „Wie ist das bei euch üblich?" ist keine peinliche Frage, sondern meist die schnellste. Die Antwort ist oft überraschend und fast immer individueller als erwartet.

Und: dieselbe Grenze für alle. Was für einen gilt, gilt für alle. Nichts untergräbt eine Regel schneller als der Verdacht, sie werde nach Herkunft verschieden angewendet.

Vertiefung

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Kultursensible Konfliktarbeit

Situation
Das Thema dieses Beitrags, geübt an Fällen aus Ihrer Einrichtung statt aus dem Lehrbuch.
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