Deeskalationstraining
- Situation
- Das Thema dieses Beitrags, geübt an Fällen aus Ihrer Einrichtung statt aus dem Lehrbuch.
Die gleiche Situation verläuft vor Publikum anders als unter vier Augen. Ein unterschätzter Hebel, der nichts kostet.
Ein Bewohner beschimpft eine Pflegekraft auf dem Flur. Zwei Kolleginnen bleiben stehen. Ein anderer Bewohner schaut aus der Zimmertür. Die Situation, die eine Minute vorher noch lösbar war, kippt.
Das ist kein Zufall. Publikum verändert Eskalationen zuverlässig in eine Richtung: Sie werden härter, länger und schwerer zu beenden.
Wer vor anderen zurückweicht, verliert mehr als die Auseinandersetzung. Diese Rechnung stellen Menschen nicht bewusst an, aber sie wirkt. Deshalb ist ein Nachgeben unter Beobachtung teurer als ohne, und deshalb wird härter gekämpft.
Für Zuschauende gilt dasselbe in abgeschwächter Form. Wer zusieht, positioniert sich, ob er will oder nicht. Kolleginnen, die dabeistehen, verstärken oft unfreiwillig die Konfrontation, allein durch ihre Anwesenheit.
Zuschauende wegschicken, nicht dazuholen. Der Reflex, Verstärkung zu rufen, ist verständlich und in manchen Lagen richtig. In vielen Lagen ist das Gegenteil wirksamer: den Raum leeren.
Den Ort wechseln, wenn es geht. „Kommen Sie mit ins Büro" verlagert die Auseinandersetzung dorthin, wo niemand zusieht. Das ist keine Ausweichbewegung, sondern eine Maßnahme.
Sich selbst nicht zum Publikum machen. Wenn eine Kollegin eine Situation führt, hilft es selten, danebenzustehen. Entweder Sie übernehmen, oder Sie gehen und bleiben in Rufweite.
Es gibt Situationen, in denen Anwesenheit schützt. Wenn eine körperliche Auseinandersetzung droht, wenn eine Person allein nicht sicher ist, wenn Zeugen gebraucht werden. Der Unterschied liegt darin, ob die anwesenden Personen eine Aufgabe haben oder nur dabei sind.
Das lässt sich vorher klären, und genau darum geht es: Wer dazukommt, sollte wissen, wozu.
Vertiefung
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